10. Große Weserrunde. Radmarathon in Rinteln/ Weser

 

(Text und Bilder von Andreas Steinborn, Krefeld, Abtlg. POE)

 

 

 

Morgens früh um Fünf Uhr klingelt der Wecker. Es ist noch dunkel draußen. Nach der üblichen Morgenroutine geht’s aufs Rennrad, noch mit Licht, da es gerade anfängt zu dämmern und es nebelig ist.

 

Start der Großen Weserrunde ist für mich um 6:35 Uhr, nachdem ich mich in die Starterliste eingetragen habe.

 

Kurz nach Sonnenaufgang geht es aus der Stadt. Die Sonne kann  sich noch nicht richtig durchsetzen. Die Haut und Kleidung ist nass vom Nebel. Aber die Muskeln werden langsam warm und es geht weseraufwärts durch die Felder auf schmalen Wirtschaftswegen.

 

In Hameln am Ende der Weserpromenade ist kein Streckenschild angebracht, sondern der Rattenfänger von Hameln weist mit seiner Flöte den Weg aus der Stadt. Eine nette Idee der Organisatoren.

 

Weiter geht’s in Richtung Bodenwerder. Dort empfängt uns der Baron von Münchhausen, nicht auf einer Kanonenkugel sitzend sondern auf einem Holzfahrrad. Nach 52 km die erste Station mit Essen und Getränken.

 

Weiter durch die Rühler Schweiz, an einer Umleitung ein Anstieg mit bis zu 13% Steigung. Ich kann gar nicht  so schnell atmen, wie ich Sauerstoff brauche.

 

Nächster Halt ist Holzminden nach 75 km, nur kurz das Carnet du Route (Streckenbeschreibung) abstempeln lassen und dann wieder auf die Strecke, solange die Temperaturen noch einigermaßen erträglich sind.

 

Wendepunkt für mich ist in Beverungen. Hier geht es über die Weser. Das Fahrrad muss geschoben werden, da die Brücke neu gebaut wird und nur eine Holzkonstruktion für Fußgänger ist. Die ersten 100 km sind rum. Am alten Fährhaus den Stempel abholen, dann ein kurzer Abstecher zu meiner Mutter, die in Beverungen wohnt und rein zufällig ein paar Nudeln mit Sauce fertig hat. Kohlehydrate sind sooo wichtig ☺

 

Nach dem Essen wieder aufs Rad. Ab jetzt wird es anstrengend. Die Temperaturen haben die 30 Grad Marke erreicht. Durch die Luftfeuchte sind das gefühlte 33 Grad.

 

Entlang des Weserradweges geht es über Höxter, an Holzminden vorbei nach Heinsen. Hier werden wir nach 135 km von Aschenputtel begrüßt. Auch hier nur kurz Stempel abholen, Trinkflaschen auffüllen und weiter geht’s.

 

Bei Kilometer 145 zweigt der Weg ab in die Ottensteiner Hochebene. Permanente Steigung über acht Kilometer von 90 Meter über NN auf 380 Meter über NN mit bis zu 10% Steigung in praller Sonne kosten mich fasst meine gesamten Getränkevorräte. Dafür entschädigt die nachfolgende Abfahrt, die ein bisschen Kühle auf die Haut bringt.

 

Letzter Stopp in Aerzen nach 170 Kilometern. Noch einmal die Trinkflaschen auffüllen, lauwarme Cola in den Körper schütten, kurz nach dem weiteren Streckenverlauf fragen. „Kommt nur noch ein kleiner Hügel“. Von wegen, noch mal 3 Kilometer Anstieg. Ich komme an meine Grenzen. Kurzer Stopp im Schatten, trinken und dann weiter. Wird ja nicht besser. Endlich Rinteln, noch zwei Kilometer, meine Oberschenkel machen langsam zu.

 

Dann im Ziel nach 200 Kilometern mit 1.688 Höhenmetern in 8:33 Stunden. Maximale Temperatur 35 Grad. Im Schatten. Sechs Liter Flüssigkeit waren immer noch zu wenig.

 

Müde aber zufrieden nehme ich meine Urkunde und ein kaltes, alkoholfreies Bier in Empfang und atme erstmal durch.

 

Zum Schluss muss ich mich nochmal aufs Rad quälen und 1,6 km zum Campingplatz radeln. Das tut dann doch weh in den Beinen. Duschen, essen und schlafen. Angeblich wurde nebenan Geburtstag gefeiert. Hab ich nichts von mitbekommen.

 

 

 

Der 3 Ländergiro

 

Das letzte Juniwochenende war ein sehr aktives für den Radsportverein RSC Schwalmtal.

 

Es wurde, wie schon 25 Jahre zuvor, als Höhepunkt des Jahres von den RSC Mitgliedern eine gemeinsame Radtour über 200 km ins schöne Moseltal gefahren.

 

Die beiden RSC Mitglieder Dirk Purwin und Thorsten Sieblist zog es aber mit ihren Rädern nach Nauders in Österreich. Dort fuhren sie zusammen den Dreiländergiro durch Österreich, Italien und die Schweiz. Die beiden hatten sich in den letzten Monaten auf das Radrennen in Tirol intensiv vorbereitet und waren beide schon über  6.000 Trainingskilometer mit Ihren Rennrädern in diesem Jahr unterwegs.

 

Thorsten Sieblist nahm zum zweiten Mal an dem Giro teil, für Dirk Purwin waren es die ersten Kilometer in den Alpen. Thorsten Sieblist hatte sich für die längere Strecke mit den Namen "Engadin", welche über 168 km mit 3.650 Höhenmetern ging, angemeldet.

 

Dirk Purwin entschied sich im Vorfeld für die 120 km lange Strecke "Vinschgau" mit 3.000 Höhenmetern. Die Entscheidung war auch dem Umstand geschuldet, dass er am Wochenende zuvor am Midsummer Event des CCD Düsseldorf mitgefahren war. Diese Radveranstaltung ging über 300 km mit 2.500 Höhenmeter, von Düsseldorf durch das Bergische Land, nach Holland und zurück zum Startpunkt in die Landeshauptstadt.

 

 

 

Der Dreiländergiro in Nauders startete mit 3.000 Teilnehmern am Sonntag um 6.30 Uhr.

 

Je Strecke waren ca. 1.500 Radfreunde zugelassen.  Der sportliche Höhepunkt der Veranstaltung war die Auffahrt zum Stilfser Joch  (2.757 m, Länge ca. 28 km,  maximale Steigung 15 %, durchschnittliche Steigung 7,2 %, 48 Kehren). Teile der Strecke führten sogar durch schneebedeckte Berge.

 

Früh wurde dem Teilnehmerfeld erklärt, es wird ein sehr heißer Tag für das Radrennen. Auf der Strecke ging es zum Teil über viele Kilometer bei über 40 Grad die Berge hoch. Die Sonne brannte heftig und zerrte zusätzlich zu den Höhenmetern an der Substanz der Teilnehmer. So ging es am Ende auch weniger um die Endzeit, als vielmehr um das Beenden des Giros.

 

Auf der Strecke "Vinschgau" kamen von den angetretenen 1.500 Startern, am Ende nur noch 638 ins Ziel. Auf der Strecke "Engadin" schafften es 1.161.  

 

Thorsten Sieblist und Dirk Purwin zeigten sich am Ende sehr zufrieden mit ihren Leistungen unter diesen sehr harten Bedingungen. Beide haben ohne technische Probleme das Ziel mit ihren Rennrädern erreichen können.